Georgien: Eine antike europäische Zivilisation und wichtiger Knotenpunkt der Seidenstraße
Georgien ist eine der ältesten Kulturen Europas und gehört seit der Antike zu den wichtigen Zivilisationen der Region. Zahlreiche archäologische Funde der letzten Jahre zeigen, wie bedeutend das Land für die Geschichte Eurasiens war. In Georgien wurden die ältesten Hominidenfossilien Europas entdeckt – frühe Vorfahren des Homo erectus, die sich über den Kontinent ausbreiteten.
Auch die alte Seidenstraße führte durch Georgien. Sie verband Asien und Europa über viele Wege und brachte Händler, Ideen und Traditionen zusammen. So entstand ein lebendiger Austausch zwischen Ost und West, der Kultur, Handwerk und Technologie nachhaltig prägte.
Artefakte aus Georgien haben die Weltgeschichte verändert!
In den letzten Jahren hat man fünf wichtigste Entdeckungen gemacht, die die Weltgeschichte radikal verändert und die Bedeutung der Rolle Georgiens hervorgehoben haben. Außerdem gehören das georgische Alphabet sowie Goldproduktion und Metallverarbeitung zur alten Zivilisation. Hier sind einige, die ich hier vorstellen möchten:
Archäologischer Durchbruch: Dmanissi in Georgien enthüllt ältesten Einwohner Europas
1999 wurde Georgien für kurze Zeit zum Mittelpunkt der wissenschaftlichen Welt. In der Nähe der Stadt Dmanissi im Südosten des Landes fanden Archäologen Spuren des prähistorischen Homo erectus. Diese Entdeckung zeigte, dass Menschen dieses Gebiet bereits vor etwa 1,8 Millionen Jahren bewohnten. Der „Mensch von Dmanissi“ gilt als der älteste bekannte Bewohner Europas und wird oft als „erster Europäer“ bezeichnet.
An der Fundstelle wurden die Überreste von mindestens fünf verschiedenen Individuen entdeckt. Dmanissi besitzt damit die umfassendste Sammlung früher Hominidenschädel weltweit.
Diese Funde ermöglichten es Wissenschaftlern, einen entscheidenden Abschnitt der menschlichen Evolution besser zu verstehen. Offenbar gehörten die Menschen von Dmanissi zu den ersten Hominiden, die Afrika verließen und nach Eurasien wanderten – viel früher als bisher angenommen. Die Entdeckung widerlegte die frühere Annahme, dass der Mensch Afrika erst vor rund einer Million Jahren verlassen habe.
35.000 Jahre alter Honig entdeckt: Älter als Tutanchamuns Grabfund
Im Jahr 2003 entdeckten Archäologen in Samzche-Dschawacheti in der Nähe des Dorfes Sakire einen 35.000 Jahre alten Kurgan. Bei den Ausgrabungen wurden zwei Keramikkrüge mit Honig darin gefunden. Wissenschaftler bestätigen, dass es sich um Honig von vor 5.500 Jahren handelte. Er ist etwa 2.000 Jahre älter als der Honig, der in Tutanchamuns Grab in Ägypten gefunden wurde.

34.000 Jahre alte Flachsfasern belegen Existenz von prähistorischer Kleidung
Im Jahr 2009 entdeckten Archäologen in der Dsudsuana‑Höhle bei Tschiatura in Westgeorgien 34.000 Jahre altes Garn aus Flachs sowie einfache Werkzeuge wie Ahlen. Diese Funde sorgten weltweit für Aufsehen, weil sie zeigten, dass Menschen schon damals Kleidung herstellen konnten.
Untersuchungen bestätigten, dass die Flachsfasern tatsächlich rund 34.000 Jahre alt sind. Die Menschen jener Zeit haben den Flachs verarbeitet, zu Fäden gesponnen und daraus Garn hergestellt. Spuren auf verschiedenen Gegenständen belegen sogar, dass man das Garn mit natürlichen Farbstoffen gefärbt hatte.
Diese Entdeckung liefert wichtige Hinweise darauf, wie früh Menschen in der Region Textilien herstellten und welche Fähigkeiten sie bereits besaßen.
Georgien: Archäologische Funde belegen Weinproduktion im Neolithikum

Georgien wird nicht ohne Grund die „Wiege des Weins“ genannt. Bei archäologischen Ausgrabungen in den Jahren 2006–2007 fanden Forscher in der neolithischen Siedlung Gadatschrili Gora zahlreiche Traubenkerne und Fragmente von Tongefäßen. Viele dieser Gefäßstücke wurden chemisch untersucht, um Spuren von Wein nachzuweisen.
Die Analysen zeigten Ablagerungen von Calciumsalzen, die typisch für Weinsäure sind – ein klarer Hinweis auf Wein oder Traubensaft. Solche Rückstände können nur entstehen, wenn die Gefäße tatsächlich mit Wein in Berührung gekommen sind.
Diese Funde beweisen, dass Menschen im Gebiet des heutigen Georgien bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. Wein herstellten. Damit gehört die Region zu den frühesten bekannten Zentren des Weinbaus weltweit.
Faszinierende Einblicke in die prähistorische Gold- und Metallverarbeitung
Eine wichtige Etappe der georgischen Geschichte ist eng mit Gold und Silber verbunden. Archäologen entdeckten in Georgien eine alte Goldmine, in der bereits vor 5.400 Jahren Gold abgebaut wurde.
Die weltberühmte Sage der griechischen Argonauten, die auf der Suche nach dem Goldenen Vlies in das mystische Land Kolchis kamen, spielt ebenfalls auf georgischem Boden. Das Königreich Kolchis, das vom 6. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. existierte, gilt als einer der ersten georgischen Staaten. In der griechischen Mythologie ist es die Heimat von König Aeëtes und seiner Tochter Medea.
In Wirklichkeit war das „Goldene Vlies“ wahrscheinlich kein echtes Widderfell, sondern – wie der Geograph Strabon im 1. Jahrhundert v. Chr. beschreibt – ein Symbol für geheimes Wissen über die kolchische Goldgewinnung. Die Menschen in Kolchis nutzten Schaffelle, um Gold aus den Flüssen zu filtern: Das Wasser brachte feine Goldpartikel aus dem Kaukasus mit, die sich in der Wolle verfingen. Einige Bewohner nutzen diese Methode in Swaneti bis heute.

Die Entwicklung der Kupfer- und Bronzemetallurgie begann in Georgien im 4. Jahrtausend v. Chr. mit der Gewinnung von Metall aus Erzen und der Herstellung von Gegenständen daraus. Es ist allgemein bekannt, dass es die Geburtsstunde der Metallurgie war. Dies verursachte enorme soziale und ökonomische Veränderungen in den frühen Stadien der menschlichen Entwicklung, denn zu dieser Zeit fing man Werkzeuge des Ackerbaus zu erzeugen.
Das georgische Alphabet: Ein kulturelles Juwel
Auch in der verlassenen Stadt Dmanissi wurden bedeutende Zeugnisse der frühen georgischen Schriftkultur entdeckt. Die Region ist nicht nur für ihre Hominidenfunde bekannt, sondern auch für archäologische Spuren, die zeigen, wie früh sich Schrift und Kultur im südlichen Kaukasus entwickelten. Viele dieser einzigartigen Funde – von den ältesten Inschriften bis hin zu Schmuck, Werkzeugen und rituellen Objekten – werden heute im Georgischen Nationalmuseum aufbewahrt.
Georgisches Nationalmuseum beherbergt einzigartige Schätze aus der Geschichte: Von Hominiden bis hin zu antikem Schmuck und Werkzeugen
Alle oben aufgeführten einzigartigen Objekte werden heute im Georgischen Nationalmuseum aufbewahrt, darunter die Hominiden von Dmanissi, Traubenkerne aus dem 6. Jahrtausend v. Chr., Gold- und Silberschmuck aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr., Bronze- und Eisenstatuen Werkzeuge und Gegenstände von alltäglicher und religiöser und ritueller Funktion, die archäologischen Funde von Nekressi und v.m.
