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Kirche und Religion
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| Kerzen in der Kirche |
Georgien und Armenien sind die beiden östlichen Länder,
in denen sich das Christentum als Staatsreligion
durchsetzen und halten konnte. Die Georgier führen
die Ursprünge dieser Missionierung auf die Apostel
Andreas und Simon zurück, die Iberien durchwandert
und die Botschaft Jesu verbreitet haben sollten.
Über die Religionen und Kulte der ersten Staatsgebilde
auf dem georgischen Boden ist nur wenig bekannt,
aber im Falle Iberiens vermutet man, daß die Verehrung
ihrer obersten Götter auf den Masdaismus der Perser
zurückging.
Als ihren eigentlichen Missionar
betrachten die Georgier die Syrerin Nino, die
aus römischer Gefangenschaft geflohen und zu Fuß
nach Iberien gelangt war, wo sie sich in der damaligen
Hauptstadt Mzcheta niederließ. Sie war der Heilkunde
mächtig, und um ihr Wirken als Heilerin begannen
sich schnell Legenden zu ranken, die bald ans
Ohr der kranken Gattin von König Mirian, Nana,
gelangten. Heimlich ließ sie Nino zu sich rufen
und nahm das Wunder ihrer Heilung zusammen mit
dem Christentum an.
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| Orthodoxe Taufe |
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Doch dann geschah ein weiteres
Wunder. Mirian hatte sich mit seinem Gefolge auf
die Jagd begeben. Plötzlich wurde es dunkel, so
finster, daß der König vom Weg abkam und sich
verirrte. Alle Gebete halfen so lange nichts,
bis er den Gott Ninos rief, woraufhin seine Begleiter
ihn fanden. Aus Dankbarkeit und Ehrfurcht vor
dem mächtigen Gott ließ er im Jahre 337 das Christentum
zur Staatsreligion erklären und bat Kaiser Konstantin
I. um die Entsendung von Missionaren.
Im Streit zwischen dem byzantinischen
Reich und den Persern, später den Arabern, um
die Vorherrschaft im Kaukasus spielte die religiöse
Frage von nun an eine entscheidende Rolle. Mit
König Wachtang Gorgassali erlangte die iberische
Kirche im 5. Jahrhundert die Eigenständigkeit,
die Autokephalie. Einen entscheidenden Beitrag
zur Missionierung Iberiens leisteten die sog.
Dreizehn syrischen Väter, die in der Mitte des
6. Jahrhunderts nach Ostgeorgien gelangten. Einige
Leute betrachten sie als Georgier, in den georgischen
Klöstern in Jerusalem erzogen und ausgebildet,
die das erworbene Wissen nun in ihre Heimat brachten
und erste georgische Klöster gründeten. Die Zentren
des georgischen Mönchwesens aber befanden sich
bis zum 12. Jahrhundert weiterhin im Ausland,
wie z. B. in Palästina auf dem Schwarzen Berg
bei Antiochia, auf dem Olympos in Bythanien, auf
dem Heiligen Berg Athos, in Konstantinopel und
in Bulgarien. Doch hatten die 13 Syrischen Väter
Samenkörner gelegt, aus denen Jahrhunderte später
das sprießen sollte, was im Goldenen Zeitalter
von Dawit bis Tamar als georgische Kultur und
Kunst zur Blüte kam.

Erzengel Gabriel
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Anders als Ostgeorgien befand
sich Westgeorgien von Beginn an unter dem direkten
Einfluß von Byzanz. Anfang des 6. Jahrhunderts
erhob sich auch hier das Christentum zur Staatsreligion.
An der Wende vom 9. zum 10. Jh. wurde im Zuge
der Einigung Georgiens die westgeorgische Kirche
dem Katholikat von Mzcheta unterstellt, und gut
100 Jahre später nahm Melchisedek, der selbstbewußte
Erbauer der wichtigsten georgischen Kathedrale
Swetizchoweli in Mzcheta,
den Titel eines Katholikos-Patriarchen. Damit
war der lange Weg des georgischen Christentums
hin zu einer Religion, die nationale Identität
stiften konnte, vorerst abgeschlossen.
Die georgische Autokephalie
erlosch jedoch mit der Annexion des Landes durch
Russland. Die russische Kirche ersetzte die beiden
georgischen Katholikate durch ihr unterstelltes
Exarchat, an dessen Spitze sie einen Russen setzte,
ebenso die von 26 auf vier reduzierten Eparchen
von nun an russischen Bischöfen unterstanden.
Als Liturgiesprache wurde das Georgische durch
das Altkirchenslawische ersetzt. Was keinem der
Eroberer gelungen war, erreichten nun die russischen
"Glaubensbrüder": das Volk wandte sich im 19.
Jh. von seiner eigenen, fremd gewordenen Kirche
ab. 100 Jahre währte die religiöse Fremdherrschaft.
Der georgische Klerus erklärte das georgische
Episkopat 1917 für unabhängig und setzte die Autokephalie
wieder ein, die 1943 vom Moskauer Patriarchat
anerkannt wurde.
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