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Ackerbau
Die klimatische Vielfalt Georgiens
bedeutet auch für die landwirtschaftliche Nutzung
des Landes eine reichhaltiges Spektrum an verschiedenen
Anbau- und Bewirtschaftungsformen für den Boden.
So hat die Kolchische Tiefebene bis vor rund 100 Jahren
kaum der Landwirtschaft gedient, da in den Sümpfen
zu beiden Seiten des Sioni und seiner Nebenflüsse
die Gefahr der Ansteckung mit Malaria groß war.
Nun wurde der Fluß begradigt, in den trockengelegten
Sümpfen pflanzte man Eukalyptusbäume. Die
Ebene wurde zu einer Plantagenlandschaft, ideal für
den Anbau von Zitrusfrüchten und Tee. So erstrecken
sich die Teeplantagen über eine Fläche von
40.000 Hektar.
Zum Schwarzen Meer hin gedeihen
auf den Obstplantagen Pfirsiche, Aprikosen und Äpfel.
Dabei zeigt sich für tägliche Auswahl des
Obstes ein ganzjähriger Rhythmus: Im Osten Georgiens
reifen im März die ersten Früchte, im Wensten
endet im Oktober die Ernte. Anschließend beginnt
man im Westen im Dezember mit der Ernte der Zitrusfrüchte,
so daß das ganze Jahr über frisches Obst
zur Verfügung steht
In den Bergsteppen gedeihen
Berggräser exzellent, so daß sie im Sommer
als Weide und im Winter als getrocknetes Heu eine gute
Grundlage als Futter für die Viehhaltung
bieten.
Weinbau
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| Weinbau auf einer Plantage |
Der Anbau von Wein hat eine
lange Tradition in Georgien. Auf einer Fläche von
95.000 Hektar können rund 500 verschiedene Rebenarten
angebaut werden, von 4.000, die es in der gesamten Welt
gibt. Die größten Weinplantagen liegen in
Ostgeorgien, gerade Kacheti gilt als das Herzland des
Weinanbaus. Dabei repräsentieren die Namen der
Weine ihre Anbaugebiete. Nach alter Tradition ist es
untersagt, Weine miteinander zu verschneiden, was die
Reinheit der Sorten und Anbaugebiete gewährleistet.
Anders verhält es sich in Westgeorgien,
wo die Landschaft von Berg- und Hügelländern
dominiert wird. Durch die Gliederung der Landschaft
und die unterschiedliche mineralogische Konsistenz
der Böden wird das Wachstum der Reben beeinflußt.
Ein weiterer Faktor ist der Sonneneinfall, der zu einem
unterschiedlichen Flüssigkeitsstand in den Trauben
selbst auf dem gleichen Hang führt und die Anlage
größerer Plantagen unmöglich macht.
So ist es die Eigenart des
Weinbaus in Westgeorgien, daß selbst auf zwei
direkt nebeneinander liegenden Hängen oder Äckern
sehr unterschiedliche Weine angebaut werden, die sich
durch ihre eigenen Charaktere auszeichnen. Hier werden
keinen großen Mengen produziert, die Weine sind
Unikate.
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| Weinbauer auf Wagen |
Entsprechend
ist der Weinbau arbeitsintensiv und verlangt die Zuwendung
des Weinbauern. Dies zeigt sich schon an den Häusern:
Viele sind zur Straße hin abgeschlossen und öffnen
sich mit Fenstern und Balkonen zum Weinhang hin. Nichts
soll die Aufmerksamkeit des Weinbauern stören.
Daher sagt ein georgisches Sprichwort: "Die
Rebe verlangt soviel Zuwendung wie ein Neugeborenes".
Dies zeigt auch, warum der Weinanbau bis heute fast
reine Handarbeit ist und kaum mechanisiert werden kann.
Anders im Osten des Landes. Hier erlauben die
Plantagen die Mechanisierung des Anbaus.
Auch der Weinbau wurde von den wirtschaftlichen
Folgen der Unabhängigkeit Georgiens betroffen.
In den letzten Jahren der Sowjetunion wurden pro Jahr
rund 800.000 Tonnen Weintrauben geerntet. Nach der Auflösung
der UdSSR waren es nur noch 100.000 Tonnen. Hinzu kam
die Anti-Alkohol-Politik von Michail Gorbatschow, die
den Absatz des Georgischen Weines in Rußland in
den Keller trieb. In der Zwischenzeit hat sich der Markt
aber wieder etwas erholt, die Produktionszahlen steigen
wieder.
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| Marani, wo man Wein aufbewahrt |
Die Verarbeitung des Weines geschieht
in den kleineren Betrieben nach althergebrachten Traditionen.
Die Weintrauben kommen nach dem Pflücken in einem
Bottich, Marani genannt. Sein Abflußloch ist mit
einem Pfropfen verschlossen, ein oder mehrere Helfer
steigen in den Bottich und stampfen die Trauben mit
ihren Füßen. Wenn die Trauben ausgepreßt
sind, wird der Saft, Matschari genannt, einige
Tage stehen gelassen. Wenn der Gärungsprozeß
einsetzt, wird der Saft in gläserne oder porzellane
Gefäße gefüllt, bis der Gärungsprozeß
abgeschlossen ist. Als junger Wein verbringt man ihn
nun in Kwewri. Diese Tongefäße sind in die
Erde eingelassen und haben ein Fassungsvermögen
von 10 bis 100 Litern, nur der Hals ragt aus dem Boden.
Sie werden mit einem Stein versiegelt, der mit Ton und
Holzasche abgebdichtet ist, damit kein Schimmelpilz
eindringt. In diesen irdenen Gefäßen bleibt
der Wein, bis er ausgereift ist.
Eine weitere Tradition richtet sich
nach dem Lebenszyklus: Wenn ein Junge geboren wird,
füllt man einen Kwewri mit jungem Wein. Jahre später,
wenn der heransgewachsene Mann eine Frau gefunden hat
und heiratet, kredenzt man den Wein zu seiner Hochzeit.
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