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Bevölkerung
Mit allen verschiedenen Gruppen
und Stämmen macht die Bevölkerung Georgiens
heute rund 5,4 Millionen Menschen aus. Auf die Bundesrepublik
übertragen bedeutet dies soviel wie die Einwohnerschaft
eines Bundeslandes wie Baden-Württemberg. Etwa
3,5 Millionen Menschen sind reine Georgier.
Aus der Geschichte heraus erklärt es sich, daß
die Abstammung der georgischen Bevölkerung heute
nur noch schwer nachzuvollziehen ist. Im Laufe der Jahrtausende
sind immer neue Välkergruppen in den Kaukasus eingewandert,
haben sich mit bestehenden Stämmen und Völkern
vermischt. Dazu war Georgien Schauplatz vieler Kriege,
wurde oft besetzt und unterlag damit der Vermischung
mit anderen Einflüssen. Eine Besiedlung des Kaukasus
läßt sich etwa 4000 Jahre weit zurückverfolgen.
Den Ursprung der georgischen Kultur legt man heute aus
Zeit etwa 800 Jahre vor Christus zurück, als die
Protogeorgier im Kartli entlang der Mtkwari siedelte.
Daher rührt auch der Name Sakartwelo für
das eigentliche Kernland, "Das Land in dem die Kartwelier
wohnen". Allerdings hat sich Sakartwelo mit den Jahren
als Begriff für das gesamte Georgien eingebürgert.
Im Zeitraum unserer Zeitrechnung dehnte sich Sakartwelo
nach Westgeorgien hin aus, eine einheitliche Nation
bildete sich trotz der Mischung vieler Völker heraus.
Ein wichtiger Faktor war die Annahme des christlichen
Glaubens in der Nachbarschaft vieler Länder, die
anderen Glaubensgemeinschaften angehörten. Seit
dem 12. Jh. hatte sich die Bildung der georgischen
Nation abgeschlossen. Auch die in den kommenden Jahrhunderten
folgenden Besatzungen des Landes von den Mongolen und
Türken bis hin zu den Russen konnten die Nation
nicht zerstören.
Auffallend ist, daß der Anteil der Georgier an
der Gesamtbevölkerung Georgiens bis zum Mittelalter
stets bei etwa 90% blieb. Später verringerte sich
ihr Anteil durch die Ansiedlung von Aserbaidschanern,
Osseten und anderer Bevölkerungsgruppen. Mit der
Annexion Georgiens durch das russische Zarenreich vergrößerten
sich Fläche und Bevölkerung. Der Zar betrieb
eine offensive Expansionspolitik im Süden seines
Reiches. So kamen zwischen den Jahren 1829 und 1879
die Regionen Saingilo, das heutige Aserbaidschan, Samzche-Dshawacheti,
Adschara - heute Adscharien - und Teile der heutigeb
Türkei hinzu. Georgien wuchs auf eine Fläche
von 93.000 km².
Die Situation änderte sich mit der Errichtung der
Sowjetherrschaft 1921 nach der kurzzeitigen Unabhängigkeit.
Um die Aufständischen in der Türkei auf ihre
Seite zu bringen, haben die Sowjets der Türkei
Teile Georgiens. Ebenso verleibte sich die russische
Förderation Teile der Georgischen Schwarzmeerküste
ein. Einige Grenzbereinigungen kamen hinzu. Die Fläche
Georgiens schrumpfte auf den heutigen Wert.
Wie andere kommunistische Systeme, z. B. China in Tibet,
führte die Sowjets eine expansive Bevölkerungs-
und Wohnungspolitik durch. Sie siedelten in den
ersten Jahren der Sowjetunion Menschen in der georgischen
Republik an. Der Anteil der Georgier an der Gesamtbevölkerung
sank zum Teil unter 60%. In den 50er Jahren drehte sich
der Trend um, der nichtgeorgische Teil der Bevölkerung
begann auszuwandern, der Bevölkerungsanteil der
Georgier wuchs auf über 70%. Dabei konzentrierten
sich die Nichtgeorgier auf Westgeorgien. In den Bergregionen
wie Swaneti und Ratscha blieben die Einheimischen unter
sich - ihr Anteil an der Bevölkerung lag bei teilweise
99%.
Migration - Ein- und Auswanderung
Georgier sind seit je her ihrem Land eng verbunden.
Sie verlassen Ihr Land nur selten und wenn, dann nur
für kurze Zeit. Eine Ausnahme bildete die Terrorherrschaft
des gebürtigen Georgiers Stalin, der wie andere
Sowjetbürger auch viele Georgier in die Emigration
trieb.
Wenn Georgier ins Ausland getrieben werden, so trachten
sie danach, ihre Traditionen auch in der fremden Erde
weiter fortzuführen. Dies zeigte sich z. B. in
der Zeit der persischen und osmanischen Eroberungen
im 16. und 17. Jh. Im Norden Irans leben als Beispiel
in der Provinz Fereidan Georgier, die seinerzeit von
den Abassiden verschleppt wurden. Über all die
Jahrhunderte haben sie ihre Sprache, ihre Gebräuche
und Traditionen erhalten. In der Türkei waren die
Gemeinden der Georgier offensichtlich zu starkem Druck
ausgesetzt oder zu klein, so daß sie sich dort
angepaßt haben. Im 18. Jh, bildeten sich erste
georgische "Kolonien" in Moskau, als die Beziehungen
zwischen den Ländern enger wurde. Mit der Annexion
Georgiens durch Rußland verstärkte sich der
Trend in den Norden. Jedoch reisten bis dato nur wenige
Georgier ins westliche Ausland.
Dies änderte sich mit der Machtübernahme durch
die Sowjets, die viele Georgier das Leben kostete. Zu
zehntausenden flohen nun Georgier aus ihrem Land in
den Westen, wo sie vor allem in Frankreich Asyl fanden.
Dort konstituierte sich auch eine georgische Exilregierung.
Nach dem Ende des II. Weltkrieges nahm die Zahl der
Exilanten stark ab. Einige ehemalige Kriegsgefangene,
die unter Stalin den Tod erwarten konnten, blieben in
der westlichen Hemisphäre.
Eine weitere Änderung vollzog sich mit dem Ende
der Sowjetunion und der Unabhängigkeit, die Unruhen
und 1991 sowie 1994 bürgerkriegsähnliche Zustände
mit sich brachte. Durch die sozialen und politischen
Probleme sahen sich viele Georgier dazu gezwungen, ihr
Land zu verlassen. Dies ist die massivste Emigrationswelle
in diesem Jahrhundert und bringt natürlich Probleme
für den Staat, da viele Menschen fehlen. Es wird
geschätzt, daß rund 600.000 Georgier inzwischen
ihr Land verlassen haben. Mit allen Kriegsflüchtlingen
zusammen schätzt man, daß nun rund 3,7 Millionen
Georgier im Land leben.
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